So geht LegalTech: intelligente Abrechnung mit AnwaltsGebühren.Online

Wie der Deutsche Anwaltverlag und e.Consult AG eine der ersten echten LegalTech-Lösungen entwickelt haben

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Im Jahr 2016 ging mit dem Abrechnungstool AnwaltsGebühren.Online eine der ersten LegalTech-Anwendungen an den Start und hat seither tausenden Rechtsanwälten geholfen, ihre Abrechnung einfacher und lukrativer zu gestalten. Dabei war der Erfolg des gemeinsamen Projekts des Deutschen Anwaltverlag und e.Consult AG zwischendurch alles andere als sicher.

Wer als junger Rechtsanwalt oder junge Rechtsanwältin nach dem zweiten Staatsexamen in den Beruf startet, hat jede Menge Ahnung von seinem Fachgebiet. Doch spätestens, wenn es darum geht, erste Rechnungen zu schreiben, werden die Juristen ins kalte Wasser geworfen: Die Abrechnung der Dienstleistung ist schließlich keine Ermessenssache, sondern muss auf Grundlage des Rechtsanwaltsvergütungsgesetz, kurz RVG, erfolgen.

Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte (oder deren Mitarbeiter) müssen immer die aktuellste Literatur zum Gebührenrecht vorhalten und sich in dieser gut auskennen, um angemessen ihre Honorare berechnen zu können. Doch Hand aufs Herz: Wer wälzt regelmäßig detailliert die aktuellen Gesetzestexte bei der Abrechnung, so dass er das Maximum aus seinem Honorar rausholt? Dafür fehlt in aller Regel einfach die Zeit.

“In der Praxis ist es eher die Regel, dass viele Anwälte deutlich mehr abrechnen könnten, als sie es tatsächlich tun. Ihnen geht bares Geld verloren, weil die Zeit und die Expertise fehlen und der Abrechnungsprozess so komplex ist,” sagt dazu Uwe Hagemann, Geschäftsführer beim Deutschen Anwaltverlag. Sein Verlag ist es, der die notwendigen Fachkenntnisse unter anderem im RVG vermittelt und Rechtsanwälte mit aktuellen Gesetzestexten versorgt.

Der Wunsch: passgenaue Honorarberechnung direkt im Abrechnungsprozess

Und genau hier entstand auch die Idee, den Abrechnungsprozess für Anwälte und deren Mitarbeiter zu verbessern. In Zeiten der fortschreitenden Digitalisierung gab es zwar bereits elektronische Datenbanken, in denen man nach Gebühren suchen konnte. Doch individuell und fallbezogen waren diese nicht.

“Wir wollten ein Online-Tool, dass es ermöglicht, das Beste aus den Gebührenrechnungen herauszuholen – und zwar direkt im Abrechnungsprozess,” so Hagemann. “Bisher mussten sich Kanzleimitarbeiter durch stapelweise Literatur wühlen, und haben oft letzten Endes doch nicht das Honorar berechnet, das ihnen zugestanden hätte.” Bis zu 20 Prozent mehr Honorar seien mitunter drin, wenn es sich um einen komplexen Fall handelt.

Die Idee war geboren, das Abrechnungstool AnwaltsGebühren.Online, abgekürzt AGO, zu entwickeln. Der Deutsche Anwaltverlag sieht als moderner Verlag die Digitalisierung als große Chance. Expertenwissen zum Gebührenrecht sollte künftig auch jenseits der Papierform verfügbar und einfach nutzbar sein. Nun brauchte man nur noch einen Partner, mit dem man das AGO-Projekt auf die Beine stellen und damit eine echte LegalTech-Anwendung erschaffen konnte.

e.Consult AG hat Expertenwissen und ist Partner auf Augenhöhe

Mit der e.Consult AG hatte der Deutsche Anwaltverlag bereits vorher zu tun, etwa mit Kooperationen im Bereich Verkehrsrecht. Doch das war nicht der einzige Grund, weshalb die Wahl auf das Saarbrücker Unternehmen fiel. Der Verlag suchte vor allem auch nach einem Sparringspartner.

“Mit der e.Consult hat es auch menschlich sofort funktioniert. Wir wollten auf Augenhöhe arbeiten und eine strategische Partnerschaft anstreben. Da ging es um mehr als nur um ein reines Auftraggeber-Dienstleistungs-Verhältnis. Wir wollten uns austauschen können und gemeinsam Ideen entwickeln,” erklärt Hagemann die Entscheidung zur Zusammenarbeit.

Ende des Jahres 2013 begann die Zusammenarbeit mit einem Konzept, das der Deutsche Anwaltverlag vorlegte und das die e.Consult AG technologisch umsetzen sollte.

Das Projekt gerät ins Wanken

Das Team startete mit dem Bereich Familienrecht – kein Zufall, wenn man bedenkt, dass dieser Rechtsbereich die höchste Komplexität aufweist. Uwe Hagemann erklärt, wieso er ausgerechnet mit diesem Brocken anfangen wollte: “Wir wussten: Wenn wir die Abrechnung von Honoraren für Familienrechtsfälle gelöst haben, finden wir für jeden anderen Bereich ebenfalls eine Lösung.”

Die ersten sechs Monate vergingen – und dann kam es zu einer Zäsur, die fast das vorzeitige Ende des Projekts bedeutet hätte. “Wir haben festgestellt, dass wir falsche Produktannahmen getroffen haben. Wir haben zu sehr aus Verlagssicht gedacht,” gesteht Uwe Hagemann ein. “Was wir vorhatten, ließ sich aber in seiner Komplexität algorithmisch nicht abbilden.”

Der Verlag stellte sich eine Art Baumdiagramm-Struktur vor, durch die der Rechtsanwalt (oder sein Mitarbeiter) mithilfe von Fragen während des Abrechnungsprozesses durchgeführt wird – eigentlich eine clevere Idee. Im Laufe der Entwicklung standen der Deutsche Anwaltverlag und e.Consult AG jedoch vor dem Problem, dass das Konzept technisch nicht umsetzbar war.Was nun? Das ambitionierte Vorhaben stand auf Messers Schneide.

Zurück auf Null: Umbau des AnwaltsGebühren.Online

Uwe Hagemann kann an dieser Stelle die Rolle der e.Consult AG nicht genug loben: “Hätten wir die e.Consult nicht gehabt, wäre das Projekt gestorben. Wir haben im Lauf das komplette Konzept umgebaut und letzten Endes tatsächlich eine Lösung gefunden. Dafür bin ich vor allem Martin Schmidt dankbar, der das Projekt technisch betreut und uns gecoacht hat.” Die intensive Zusammenarbeit zwischen e.Consult AG und dem Deutschen Anwaltverlag führte dazu, dass beide Seiten viel gelernt haben und gemeinsam an dem Projekt gewachsen sind.

Tatsächlich schaffte das Team es, das komplette System umzubauen und eine Art Content-Baukasten zu entwickeln, bei dem der Abrechnende durch Textbausteine geführt wird. Die Idee, den inhaltlichen Bereich klar vom Algorithmus zu trennen, kam letzten Endes von der e.Consult. Was zuerst komplizierter klingt, sorgte letzten Endes dafür, dass sich inzwischen alle Gebiete des Zivil- und Strafrechts abbilden und ganz einfach abrechnen lassen. Der AnwaltsGebühren.Online-Rechner war geboren!

So sieht die Anwendung AnwaltsGebühren.Online in der Praxis aus.

Eine der ersten echten LegalTech-Lösungen

Im Jahr 2016, fast drei Jahre nach Entwicklung des ersten Konzeptes, ging das Online-Tool AnwaltsGebühren.Online als eine der ersten echten LegalTech-Anwendungen an den Start. Seit dem Launch haben viele tausend Rechtsanwälte von AGO profitiert und mitunter deutlich höhere Honorare abrechnen können, als ihnen vorher bewusst war – und das in kürzerer Verwaltungszeit.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Honorarabrechnung erfolgt viel schneller und einfacher. Die aus Sicht des Gebührenrechts wichtigen Informationen werden direkt im Abrechnungsprozess abgefragt. Dabei sind die Kanzleien immer auf dem aktuellen Rechtsstand, ohne dass die entsprechende Literatur in Papierform vorliegen oder mühsam zusammengesucht werden muss.

Und wie sieht es mit der Sicherheit und dem Datenschutz aus? Der gesamte juristische Content und die Abrechnungsalgorithmen liegen auf den sicheren e.Consult-Servern im ISO-zertifizierten Rechenzentrum der DATEV in Nürnberg. Der Zugriff erfolgt über sicher verschlüsselte Leitungen. Für Datensicherheit ist also gesorgt.

“Darüber hinaus gibt es zwei Nutzungsmöglichkeiten,” erklärt Hagemann. “Verwenden Anwälte nur das Online-Tool, müssen Sie ohnehin keine sensiblen Mandantendaten eingeben. Wer eine Kanzleisoftware hat, die bereits mit uns kooperiert, kann direkt aus dieser heraus auf das Tool zugreifen, von dort die Rechnung ausdrucken und hat überhaupt keinen Medienbruch mehr – schneller und effizienter geht es kaum.”

Bisher haben unter den namhaften Kanzleisoftware-Herstellern Annotext und Renostar eine von e.Consult entwickelte Schnittstelle zu dem Tool. Vor kurzem hat sich die DATEV entschlossen, AGO zu integrieren, wie Hagemann mit Stolz berichtet. Erklärtes Ziel ist es, weitere Anbieter ins Boot zu holen. Schließlich sei die Digitalisierung eine Chance, die wir alle nutzen sollten, findet Uwe Hagemann.

Eine preisgekrönte Erfolgsgeschichte, die mit Stolz erfüllt

Seit dem Launch 2016 ist es gelungen, den kompletten zivilrechtlichen Bereich mit der LegalTech-Lösung AGO abzubilden. Im nächsten Schritte kam dann das Strafrecht dazu und ist damit das einzige Tool, das beide Bereiche komplett abdeckt.

Hätte man das Ganze auch schneller auf den Markt bringen können? Uwe Hagemann lacht: “Mit heutigem Kenntnisstand und den Erfahrungen, die wir gemacht haben, hätte die Entwicklungszeit wahrscheinlich gerade mal ein halbes Jahr betragen. Letzten Endes macht das aber nichts. Wir haben viel gelernt und mit der e.Consult ausgesprochen vertrauensvoll und auf Augenhöhe zusammengearbeitet. Das würden wir jederzeit wieder tun.”

Der Erfolg der Lösung und die begeisterten Anwender sprechen dafür, dass sich die zeitliche Investition gelohnt hat. Die LegalTech-Lösung AnwaltsGebühren.Online ist in dieser Form einzigartig, hochmodern, sicher, schnell, einfach und äußerst effizient.

Das sehen nicht nur der Deutsche Anwaltverein und die e.Consult AG so: Am 3.11.2016 wurde das AGO-Projekt beim “Isarnetz Award für Medieninnovation” auf der Münchner Webwoche mit dem Sonderpreis der Akademie der Deutschen Medien ausgezeichnet.

Weitere Informationen zu AnwaltsGebühren.Online und die Möglichkeit, die Anwendung kostenlos zu testen, finden Sie unter ago-testen.de.

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