Köln, 10. Oktober 2017  Was bedeuten die fortschreitende Digitalisierung auf der einen und die steigenden Anforderungen an den Datenschutz auf der anderen Seite für das Personenschadenmanagement? Welche Chancen birgt das Predictive Modelling? Diese Fragen diskutierten die Teilnehmer auf der von ACTINEO, e.Consult und rehacare veranstalteten 6. Fachtagung Assecuranz im ROTONDA Business Club in Köln.

Auch in diesem Jahr kamen Experten und Praktiker zum Erfahrungsaustausch zu Zukunftsthemen im Personenschaden auf der Fachtagung Assecuranz zusammen. Die Vorträge auf dem ausgebuchten Event am 28. September in Köln schlugen einen Bogen von der Wertegestaltung in digitalen Zeiten über die Automatisierung im Personenschadenmanagement bis zur geeigneten medizinischen Diagnostik bei der Schadeneinschätzung. Für die Veranstalter begrüßten ACTINEO-Geschäftsführer Olav Skowronnek, Dominik Bach, Vorsitzender des Vorstands der e.Consult AG, und Marcus Vogel, Leiter Unternehmensorganisation von rehacare, die Teilnehmer.

Wettbewerb der Werte
Warum die digitale Welt einen Wettbewerb der Werte braucht und wie Versicherer von einer Festlegung ethischer Grundsätze profitieren, erläuterte einleitend Dr. Frank Esselmann, Partner der Valueberatung concern GmbH, in seinem Keynote-Vortrag. „(Teil)autonome Autos, virtuelle Assistenten, neue Behandlungsformen in der Medizin: Mit der exponentiellen Zunahme des technisch Machbaren und der Übergabe von menschlicher und institutioneller Verantwortung an Algorithmen verschärft sich eine Auseinandersetzung mit Werten“, erklärte Esselmann. Seine Forderung an die Versicherungswirtschaft: Unternehmen müssten aktiv eine Werteposition einnehmen, diese konsequent umsetzen und verständlich kommunizieren. Denn nur über eine solche könnten neue Märkte erschlossen werden und Versicherungsunternehmen von der digitalen Transformation profitieren.

Modellierung des Schmerzensgeldes
Die Chancen, die in der Data Analysis liegen, stellte Carina Götzen, Aktuarin und leitende Beraterin bei Meyerthole Siems Kohlruss Gesellschaft für aktuarielle Beratung, anhand eines exklusiv für den Personenschaden-Spezialisten ACTINEO erstellten mathematischen Modells für die Kostenpositionierung von Schmerzensgeld im Personenschaden vor. „Die Relevanz für eine Schmerzensgeldeinschätzung ist gerade im Mengenschaden groß“, betonte Götzen. Auf Basis des Schmerzensgeldmodells erhält der Schadensachbearbeiter der Versicherung einzelfallbezogen ein angemessenes Schmerzensgeld ausgewiesen und so eine wertvolle Unterstützung bei der Schadenregulierung, die den durchschnittlichen Marktwert der Konsensentscheidungen abbildet. Aufmerksam machte die Referentin ebenfalls auf Folgeprojekte wie die Integration eines separaten Arbeitsunfähigkeit-Modells, die bereits in Planung seien.

Spannungsfeld Datenschutz
Das Thema Datenschutz unter dem Aspekt der europäischen Datenschutz-Grundverordnung beleuchtete Detlef Boes, Bereichsleiter und Direktor Kraftfahrt-/Personengroß-/Unfallschaden im AXA Konzern. Er zeigte die Anforderungen der neuen Datenschutzverord-nung auf und stellte vor allem die Sensibilisierung der Mitarbeiter im Hinblick auf die zukünftigen datenschutzrechtlichen Anforderungen in den Mittelpunkt seines Vortrags. „Big Data ist in aller Munde, zwangsläufig rückt dabei auch der Datenschutz immer mehr in den Fokus“, betonte der Schadenexperte.

Datenschutz ist kein Beinbruch
Dominik Bach, Vorsitzender des Vorstandes der e.Consult AG, stellte im Anschluss Praxislösungen zur datensicheren Kommunikation im Personenschaden mit Dienstleistern und Kunden vor. „Partner und Kunden erwarten eine schnelle und zeitgemäße Schadenregulierung und damit auch eine Digitalisierung der Kommunikation“, erklärte Bach. „Aus diesem Grund haben wir eine Anwendung zur Schadenbearbeitung entwickelt, die problemlos mit jedem Smartphone genutzt und voll in ERP-Systeme integriert werden kann.“

Schadenverursachung durch Tiere
Einen Seitenblick auf ein eher selten beleuchtetes Thema im Personenschaden warf Uwe J. Badt, Rechtsanwalt und Mediator. Er legte in seinem Vortrag den Fokus auf Tierhalterhaftung bei Unfällen mit Tieren. Neben Beispielen für Tierhaltereigenschaften und Tiergefahr, erläuterte er ebenfalls verschiedene Merkmale von Tierhütereigenschaften und erklärte anhand aktueller Fälle die Haftung des Nutztierhalters.

Einem anderen rechtlichen Aspekt in diesem Zusammenhang mit weitreichenden Folgen für die Versicherer widmete sich Heinz Otto Höher, Partner und Rechtsanwalt bei BLD Bach Langheid Dallmayr Rechtsanwälte. Er referierte über die Möglichkeiten der Haftungsprivile-gierung bei Tierunfällen. Handelte es sich bei dem Sturz vom Pferd um einen Arbeitsunfall? Lag zum Unfallzeitpunkt eine Wie-Beschäftigung vor? Praxisbeispiele von Verletzungen durch Tiere und entsprechende rechtliche Aspekte rundeten seinen Vortrag ab.

Schnittbilddiagnostik in der Schadeneinschätzung
Im Fokus der Fachtagung standen außerdem medizinische Themen. Prof. Dr. Harald Meier, seit 2014 Leiter des Instituts für Medizinische Begutachtung bei ACTINEO, führte die Rolle der Schnittbilddiagnostik bei der Beurteilung von Unfallfolgen ins Feld. Ist die Achillessehnenruptur tatsächlich unfallkausal oder ist sie auf eine bereits vor dem Unfall bestehende Erkrankung zurückzuführen? „Moderne Untersuchungsverfahren wie das MRT oder die Computertomografie stellen einen wichtigen Baustein der Beurteilung von Vorinvalidität und zur Berücksichtigung der Mitwirkungsregel dar“, erläutere der erfahrene Mediziner. „Denn die medizinische Einschätzung von Unfallfolgen bestimmt den Ausgang eines Schadenfalls entscheidend mit.“

Dr. med. Ulrich Müller-Lung, Facharzt für Radiologie in Köln, beleuchtete zum Abschluss der Vortragsreihe das Thema MRT- und CT-Untersuchung in der Schadeneinschätzung weiter und konkretisierte die verschiedenen Methoden der Bildgebung: Wann ist welche Methode sinnvoll und welche Verletzungen kann sie genau erfassen? Durch die Weiterentwicklung der technischen Feinheiten und Besonderheiten dieser Verfahren können zuverlässige Aussagen zu Diagnosen sowie vorhandenen Vorerkrankungen bei der Schadenbearbeitung gemacht werden. Sein Fazit: „Besonders bei neuralgischen Punkten von Verletzungsmustern wie dem Schulter-, Knie- oder Hüftgelenk sowie der Wirbelsäule ist eine hochspezifische Schnittbilddiagnostik ein wichtiges Werkzeug zur Beurteilung von Unfallfolgen.“ //

DIE VERANSTALTER

Über ACTINEO
ACTINEO ist ein unabhängiger, auf ganzheitliche Lösungen im Personenschadenmanagement speziali-sierter Dienstleister. Seit seiner Gründung 2009 hat sich das Kölner Unternehmen zum innovativen Marktführer für die Digitalisierung und die medizinische Einschätzung von Personenschäden entwickelt. Im Auftrag von Versicherungsunternehmen leistet ACTINEO medizinisch kompetente und daten-basierte Unterstützung im gesamten Schadenmanagementprozess, damit Personenschäden transparent, schnell und fair reguliert werden können. Zu den Leistungen von ACTINEO bei der Personenscha-denregulierung gehören unter anderem:

– die Beschaffung, Strukturierung und Plausibilisierung medizinischer Daten
– die Einschätzung und Erstellung medizinischer Gutachten
– die systematische und medizinisch fundierte Rechnungsprüfung
– die Normierung und Digitalisierung von Personenschäden

Über e.Consult AG
Die e.Consult AG ist Experte für vertrauliche Business-Kommunikation und steht für einfache, sichere und strukturierte Vernetzung von Geschäftspartnern wie Rechtsanwälten und Versicherungen, die vertrauliche Dokumente und strukturierte Daten austauschen.

Über rehacare
Die rehacare GmbH ist eines der größten Dienstleistungsunternehmen im Rehabilitations- und Case-Management in Deutschland und in den Bereichen Medizin-Management, berufliches Reha-Management, Pflege-Management sowie Technik-Management aktiv.

Nachbericht 6. Fachtagung Assecuranz